Sven Baumann - Radsport on- und offroad

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US Racing

Grade aus dem Flieger und schon beim ersten Rennen in der neuen Heimat: Zum ersten mal seit 25 Jahren (oder so) gabs wieder ein Radrennen in Downtown Detroit. Im Rennen der Klasse Pro/Cat.1/2 (vergleichbar mit KT/A/B in Dtl.) waren die besten Rennfahrer aus Michigan und einige kanadische Kriteriumsspezialisten mit dabei und mittendrin ein Deutscher. Das Detroit City Criterium ging über 75 min + 2 Runden und war aufgrund des flüssigen Kurses von einer hohen Durchschnittsgeschwindigkeit geprägt. Ausreißversuche hatten keine dauerhafte Chance und nachdem ich mich aus den Stürzen weitgehend raushalten konnte gelang es mir, mich in den letzten Runden in den vorderen Positionen des Hauptfeldes zu behaupten. Damit konnte ich gleich zum Auftakt meiner "US-Karriere" auf Platz 5 sprinten.
Am nächsten Tag ging es nach Hillsdale zum "Terry Reisch Memorial Charity Race", einem Straßenrennen über 10 Runden und insgesamt 39 Meilen auf einem hügeligen Rundkurs (zumindest für Michigan). Gemeinsam mit dem lokalen Team Wolverine Sportsclub, die sich meiner angenommen hatten, tüftelten wir eine Taktik aus, die sich erstaunlicherweise zu 100% umsetzen ließ, so daß ich die meiste Zeit des Rennens mit den drei Wolverines Tim, Ray und Brian an der Spitze des Rennens verbrachte. Trotz der kurzen Renndistanz machten sich in den letzten Runden die hohen Temperaturen von über 35°C bemerkbar und zehrten an den Kräften. Ich versuchte in der letzten Runde mit einer Attacke 2 km vor dem Ziel meine Begleiter zu überraschen, leider ohne Erfolg. So musste es zum Sprint auf der ansteigenden Zielgeraden kommen, wo sich Tim Finkel den Sieg holte und damit seine Führung in der Michigan Challenge Gesamtwertung ausbauen konnte. Ich konnte mit Platz 3 meinen ersten Podestplatz in meiner neuen Heimat holen.
Eine Woche später ging ich beim "Priority Health Race for Wishes" in Lawton an den Start, das mit dem Rennen eine Woche zuvor ein Gesamtwertung bildete. Das Rennen sollte über 6 Runden und insgesamt 78 Meilen gehen und ich war trotz vorabendlicher Party und weiter Anreise froh, daß die Startzeit schon um 8 Uhr war. Damit sollten wir der größten Hitze entgehen, denn diesmal war es mittags mit 37°C noch heißer als in der Vorwoche. Nach gemütlichem Beginn begannen eingangs der dritten Runde die 3 Fahrer aus dem Priority Health Team immer wieder zu attackieren, was mich immer wieder zur Verfolgung zwang. Mitte der dritten Runde gelang es mir dann mit Chris Fisher dem Feld zu entkommen. Mangels starker Verfolger und dank guter Kooperation wuchs unser Vorsprung schnell an. Da ich natürlich meinen Gegner nicht kannte, mich aber stärker fühlte wollte ich es nicht auf einen Sprint ankommen lassen und versuchte meinen Begleiter mit mehreren Attacken abzuschütteln. Das hatte leider nur den Erfolg, daß er die Zusammenarbeit einstellte und mir den Großteil der Führungsarbeit in der letzten Runde überließ. Eingangs der Zielgeraden konnte ich mich dennoch in seinen Windschatten manövrieren und konnte diesen nutzen, um in einem langen Sprint noch an ihm vorbeizuziehen und meinen ersten Sieg in Amerika einfahren. Das brachte auf gleichzeitig Platz 1 in der Gesamtwertung der Midwest Charity Race Serie, der mit 500 US-Dollar belohnt wurde! Sweet!
Während am vergangenen Samstag in Grenoble die Entscheidung über das Gelbe Trikot der Tour de France fiel, ging ich zeitgleich beim Malliot Jaune Road Race in Fenton an den Start. Mit einem gut besetzten Feld sollte das Rennen über 5 Runden und insgesamt 80 Meilen auf einem erneut hügeligen Rundkurs gehen. Nach schnellem Start gab es permanente Attacken, bis sich in der zweiten Runde eine Dreiergruppe absetzen konnte. Eine Runde später wurde dann die Verfolgung organisiert, so daß die Ausreißer kurz vor Beginn der letzten Runde eingeholt wurden. Damit war das Rennen wieder offen und es gab eine von unzähligen Attacken geprägte letzte Runde. Für eine eigene Attacke fehlte mir etwas der Punch, so daß ich mich darauf verlegte möglichst immer mit vorne dabei zu sein. Keine Gruppe konnte sich wirklich absetzen, doch das Feld zog sich in die Länge und es gab kleinere Lücken. Die Entscheidung fiel in einem Highspeed Sprint (über 71 km/h) aus einer 6 Mann Gruppe, die sich wenige Sekunden vor dem Rest des Hauptfeldes behauptete. Dabei belegte ich Platz, womit ich ganz zufrieden war, dafür daß ich nicht ganz auf der Höhe war.