Sven Baumann - Radsport on- und offroad

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Back to winning

Nach einigen knappen Niederlagen zweifelte ich schon an mir selbst. Klar war, daß ich nicht die nötige Form hatte, aber trotzdem war ich immer vorne mit dabei bei den Rennen in Michigan. Nur zum Sieg hatte es nicht gereicht, und es war an der Zeit, daran was zu ändern.

Ein Doppelveranstaltung an der Lake Orion High School am letzten Wochenende war die nächste Gelegenheit. Ein sehr schöner Kurs mit einigen interessanten Features wartete auf die 19 Starter am Samstag. Jeff, der das letzte Rennen gewonnen hatte legte gleich richtig los und gemeinsam mit Mike Anderson bildeten wir bereits in der ersten Runde eine 3 Mann Spitzengruppe. Als Jeff in der 3. Runde einen kleinen Ausrutscher hatte mußte ich zunächst wieder zu Mike aufschließen, was mir aber recht schnell gelang. Während ich darauf wartete, daß Jeff den Anschluß wieder schaffte, brauchte ich Mike nur zu folgen. Jeff kam jedoch nicht näher, verlor aber auch keine Zeit auf uns an der Spitze. 3 Runden vor Schluß übernahm ich dir Führung und drückte so aufs Gas, daß Mike am Ende der Runde den Anschluß verlor. Eine weitere schnelle Runde gab mir genug Vorsprung und in der letzten Runde kontrollierte ich den Abstand und fuhr mit ca. 30 Sekunden Vorsprung zu meinem ersten Saisonsieg.

Sonntag stand der Kurs in der umgekehrten Richtung auf dem Plan, das Wetter war etwas kühler und sehr windig. Neu dazugekommen war Mark Parmalee, der ohne das Rennen vom Samstag in den Beinen frisch war und in der ersten Runde dermaßen aufs Tempo drückte, daß alles auseinanderflog. Nachdem Jeff abreißen lassen mußte fuhr ich auf Platz 3 hinter Anderson und Parmalee. Mark mußte seinem hohen Anfangstempo Tribut zollen und fiel etwas zurück, während ich mich langsam näher an Mike heranarbeitete. Als er dann im Sand stürzte übernahm ich die Führung. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich etwa 15 Sekunden Vorsprung auf Mark. Mike Anderson jedoch fiel zurück und war dann ganz aus dem Rennen, da seine Schaltung nach dem Sturz nicht mehr korrekt funktionierte. Ich mußte für den Rest des Rennens ziemlich hart kämpfen um meinen Vorsprung auf Mark zu verteidigen. Erst in den letzten beiden Runden ließ er etwas locker. Somit konnte ich auch am Sonntag mit rund einer halben Minute Vorsprung einen hart erarbeiteten Sieg herausfahren.

Vielen Dank an mein Team für die Unterstützung bei den Rennen und an Nina, Hannes und Sebastian, die dafür gesorgt haben, daß ich wieder ordentlich in Form gekommen bin.

 

Cross Saison Teil 2

Nach den ersten beiden lokalen Rennen in Michigan gings schon direkt zum ersten grossen Rennen, dem US Gran Prix of Cyclocross in Sun Prairie, WI.
Dort standen Samstags ein UCI-C1 und Sonntags ein C2 auf dem Programm und natuerlich waren die besten Crosser der Vereinigten Staaten da und dazu noch einige Hochkaraeter aus dem Ausland. Zum Beispiel Lukas Flueckiger, der 2 Wochen zuvor bei der MTB Cross Country Weltmeisterschaft Silber gewann.
Mein Startplatz war nicht so schlecht, dank des einen Punktes vom letzten Jahr. Mein Start dagegen war ziemlich schlecht und ich befand mich zunaechst so um Platz 40 herum. Nach dem anfaenglichen Chaos konnte ich einige Plaetze gutmachen und befand mich zwischenzeitlich auf Platz 22, so dass das Ziel Top-20 durchaus in Reichweite schien. Am Ende ging mir allerdings etwas der Saft aus und ich musste noch 2 Positionen abgeben. Platz 24 war zumindest ein solides Ergebnis.
Am Sonntag ging ich wieder von der gleichen Startposition ins Rennen und wieder war mein Start eher bescheiden. Ich muss einfach aggressiver zur Sache gehen, vor allem wenn das Feld so gross ist (ca. 70 Starter). Im Rennen merkte ich jedenfalls, dass ich nicht so gut unterwegs war wie am Tag zuvor. Die Strecke war etwas geaendert und somit schneller, aber wenn die Power fehlt, dann nuetzt das eben auch nichts. Dazu kamen noch ein kleiner Ausrutscher und ein wenig unkonzentriertes Gestolper ueber die Hindernisse. Am Ende kam ich auf einem etwas enttaeuschenden 31. Platz ins Ziel.
Fazit des Wochenendes: beide Rennen in der Fuehrungsrunde beendet, einmal im Preisgeld, leider keine Top-20 Platzierung geschafft. Und ich habe dringend bessere Starts noetig.
Eine Woche spaeter standen im Kensington Park die Rennen 2 und 3 der Tailwind Serie auf dem Plan. Die Strecke war extrem staubig, sehr holprig, hatte ueberhaupt kein Gras und war wenig cross-like. Mein Start war sehr gut diesmal, obwohl auf die Startgerade auch nicht wirklich eines Crossrennens wuerdig war. Nachdem ich die anfaengliche Spitzengruppe auf 3 Mann reduziert hatte teilten wir uns mehr oder weniger in die Fuehrungsarbeit. 3 Runden vor Schluss verabschiedete sich eine Speiche in meinem Hinterrad. Ich dachte kurz ueber einen Wechsel nach, da das Rad damit an den Bremse schliff, entschied mich aber dagegen aufgrund des Zeitverlustes und da ich nur Drahtreifen auf dem Ersatzrad hatte. Am Ende lief es wieder auf einen Sprint hinaus. Eigentlich habe ich alles richtig gemacht und in der letzten Sektion die Fuehrung uebernommen, das Tempo so hoch gehalten, dass keiner vorbei konnte. Trotzdem musste ich mich auf der Zielgeraden erneut Adam York geschlagen geben, diesmal nur um knappe 30 cm.
Tags drauf gabs die gleiche Strecke in umgekehrter Richtung mit leichten Aenderungen. Mein Start war erneut super und ich kam als dritter am Ende der ersten Runde durch den Sandkasten. Dort erwischte ich keine gute Spur, verlor viel Schwung und schlug mir das linke Knie am Vorbau an...Aua. Beim Versuch die verlorenen Meter schnell wieder gutzumachen legte ich dann noch einen richtigen Abflug hin. Bis ich mich dann wieder gesammelt hatte waren gute 45 Sekunden dahin. Ich ueberholte zwar in der Folge einige Leute und andere hatten Material- oder aehnlich Probleme. Irgendwann fuhr ich zwar auf Platz 2, aber konnte den Rueckstand nach vorne nicht verringern. Ein erneuter Sturz in der vorletzten Runde, als ich schon ein wenig zurueckgenommen hatte, zog mir vollends den Zahn. Wenigstens das Material blieb unversehrt, meine Schrammen und blauen Flecken durfte ich dann in der Woche kurieren.
Nachdem der September ohne einen einzigen Sieg vergangen war fuhren wir eine Woche spaeter zum OVCX Rennen nach Xenia, OH. Dort wartete ein "echter" Cross-Kurs auf uns. Leider ist die Startaufstellung dort entsprechend der Gesamtwertung, so dass ich ganz hinten Aufstellung nehmen musste. Ein super Start und erste Runde brachten mich in die Spitzengruppe auf Platz 4. Waehrend die Spitzengruppe sich verkleinerte versuchte ich an Mitchell Kersting dranzubleiben, aber irgendwann nach  3 Runden zog er davon. Ich versuchte den Abstand klein zu halten und gleichzeitig Tom Burke hinter mir zu halten. Aber 2 Runden vor Schluss kam er an mich ran und ich hatte keine Kraft mehr um ihm zu folgen. Der Kurs war wirklich sehr kraftraubend und relativ langsam. Am Ende war ich ziemlich breit und froh, dass das Rennen vorbei war, auch wenn noch eine ganze Runde zur vollen Stunde Renndauer fehlte. Ausser dass meine Power am Ende weg war kann ich zufrieden sein mit dem Rennen. Guter Start und erste Runde, wenig Fehler, darauf laesst sich aufbauen.

 

Saisonstart Cross

Nun ists endlich soweit, die Cross-Saison geht los. Die groeßten Neuigkeiten sind, daß ich dieses Jahr fuer das Trek Cyclocross Collective fahre. Aber natuerlich bleibe ich auch weiterhin beim Wolverine Sports Club.

Ersteinsatz fuer mein neues Trek Cronus war beim Ithaca GP, mitten im Nirgendwo in der Mitte von Michigan. JB Hancock hatte eine anspruchsvolle Strecke angelegt, mit einigen Anstiegen, einer langen Sanddurchfahrt und natuerlich dem Amphiteather. Am Start stand neben den ueblichen Verdaechtigen auch Brad White, Profi beim Team United Healthcare und damit Teamkollege von Robert Foerster.

Mein Start war nicht so schlecht, aber da mein Teamkollege Jeff Weinert vor mir nicht richtig wegkam, hatte ich keine Chance auf die Startpraemie. Ich konnte mich dennoch schnell nac vorne arbeiten und mit Brad und Tom Burke die Spitze bilden. Als Brad das Tempo weiter verschaerfte konnte ich nicht ganz mit, aber wenigstens konnte ich mich von Tom Burke loesen. Der Abstand nach vorne wuchs kontinuierlich an, aber wenigstens konnte ich den Abstand nach hinten kontrollieren und mit einer guten letzten Runde noch ausbauen. Damit gab es zum Auftakt der Saison Platz fuer mich und mit Platz 4 fuer Jeff einen guten Einstand fuer die Wolverines.

Tags darauf ging ich dann mal wieder bei einem Mountainbikerennen an den Start und zwar auf meinem Lieblingstrail in Addison Oaks. 5 Runden standen auf dem Programm und ließen ein hartes Rennen erwarten. Vom Start weg uebernahm Ron Catlin die Fuehrung und ich versuchte zu folgen. Allerdings konnte ich nicht ganz dranbleiben, denn auf dem Trail war er einfach zu gut und ausreichend Power hatte er auch. Nach einer Runde hatte ich 20 Sekunden Rueckstand, aber nachdem Ron außer Sichtweite war mußte ich mich auf mein eigenes Tempo konzentrieren. Zunaechst machte ich zu viele Fehler weil ich krampfhaft versuchte Zeit gutzumachen. Irgendwann hatte ich meinen Rythmus und konnte halbwegs vernuenftige und konstante Rundenzeiten fahren. Am Ende waren es trotzdem knapp 2 Minuten Rueckstand und mein Ruecken war auch ziemlich hingerichtet.

Eine Woche spaeter fand im Columbus Park (an der Bauman Road gelegen) das erste Rennen der Tailwind Serie statt. Ein schoener Kurs mit einem Schlittenhuegel und vielen langen Geradeaus-Passagen und einem sehr holperigen Ziel-Areal. Mein Start war absolut desastroes, ich rutschte aus dem Pedal und dann sprang auch noch die Kette ab. Trotzdem konnte ich relativ schnell den Anschluss an das enteilte Feld herstellen und da es genuegend Ueberholmoeglichkeiten gab konnte ich mich auch wieder bis an die Spitze vorarbeiten. Dort drueckte ich wieder aufs Tempo bis nur noch Adam York folgen konnte. Leider konnte ich ihn nicht abschuetteln und versuchte daher durch ein hohes Tempo auf der letzten Runde ihm keine Ueberholgelegenheit geben. Mit etwas Kontakt quetschte er sich aber vor der letzten Kurve noch vorbei, musste aber eine weite Linie nehmen und ich hoffte daher noch an ihm vorbeizukommen. Leider schaffte ich das nicht und musste mich mit Platz 2 zufrieden geben. Durch meinen schlechten Start hatte ich allerdings die schnellste Rennzeit, da ich erst ein paar Sekunden nach dem Rest des Feldes die Startlinie ueberquerte...

 

Cherry Roubaix

Beim Rennwochenende in Traverse City gings um "meinen" Titel als Michigan Road State Champion. Zunächst stand am Samstag abend um 18 Uhr noch ein Kriterium in Downtown TC an. Das sollte nur über 50 min gehen, also quasi ideal um die Beine in Schwung zu bringen für den Sonntag. Nach einigen anfänglichen Attacken bestimmte ein Spitzenduo das Rennen, mit meist nur 10-15 Sekunden Vorsprung. Das Feld kam bis auf 5 Sek. ran als einer der beiden 4 Runden vor Schluß vom Führungsfahrzeug zu Fall gebracht wurde. Sachen gibts... Zum Glück ist ihm aber nichts passiert. Das Rennen war für ihn jedoch gelaufen und auch sein ehemaliger Begleiter wurde kurz darauf eingeholt. So war alles zusammen und ich hatte vor der letzten Kurve eine gute Position für den Sprint. Leider wurde ich im Getümmel der letzten Kurve etwas abgedrängt und habe auch viel Schwung verloren. Am Ende wars Platz 14.

Sonntags gings dann zum Straßenrennen, 4 Runden, insgesamt 140 km und etwa 2000 hm lauteten die Eckdaten. Nach dem Start gings ziemlich schnell zur Sache, die erste Attacke kam gleich nach der Neutralisation. Nach einigen Attacken konnten sich 2 Mann absetzen, dabei auch mein Freund Chris Gottwald, mit dem ich mich im Rennen immer auf deutsch unterhalten kann. Im Feld gabs auch einige Attacken aber nichts wirklich Entscheidendes. Mitte der zweiten Runde konnte ich mich mit einer Krawall-Attacke absetzen und ein paar Kilometer später schlossen noch 3 Leute auf, allerdings wurden wir kurz danach wieder eingeholt. Gegen Ende der zweiten Runde ging dann richtig die Post ab und ich war dabei. Zusammen mit Alexey Vermeulen (Bissell ABG) und Mac Brennan (neuerdings Bissell Pro Cycling) konnten wir uns absetzen und eine Runde später hatten wir die Spitze eingeholt. Chris war der einzige der noch dranbleiben konnte, aber Tempo machen konnte er auch nicht mehr, schließlich war er ja so lange schon an der Spitze. Mac attackierte und ich reagierte nicht sofort. Alexey konnte/wollte nicht und so mußte ich selbst dafür sorgen, daß der Abstand nicht zu groß wurde. Ich drückte also ordentlich aufs Tempo und über einen der vielen Hügel drüber und in die Abfahrt hinein konnte ich die beiden abhängen. Dann konnte ich am nächsten Anstieg Mac einholen und gemeinsam fuhren wir Richtung Ziel. Ich hatte kurz überlegt, ob ich ihn am nächsten langen Anstieg stehenlasse, aber das war mir etwas weit zum Ziel. Ein Glück, denn am Ende diese Anstiegs hatte ich schon leichte Krämpfe. Ich konnte aber mit einen Energiegel und was zu trinken mich wieder erholen. Ich habe schon bei den kleinen Anstiegen bemerkt, daß Mac ziemlich am Ende war. Er ist ein riesen Kerl und seine Waden alleine geben mir schon ausreichend Windschatten. Jedenfalls kam dann der Moment zur Attacke als wir in den Anstieg zum Narlock Climb einbogen und er hatte eine Antwort, konnte nicht mal mehr aus dem Sattel gehen um zu reagieren. Allerdings spürte auch ich wieder leichte Krämpfe. Doch zum Glück kam noch mal eine kurze Abfahrt vor dem Rest des Anstiegs und so konnte ich den auch noch bewältigen. Die restlichen Kilometer fuhr ich dann solo ins Ziel und hatte dort 1:17 Min Vorsprung. Damit habe ich also auch dieses Jahr wieder so ein schönes Trikot gewonnen und darf mich weiterhin Michigan State Champion nennen.

 

Milford Criterium [29.07.2012]

Nach der Enttäuschung mit Platz 7 beim Michigan State Time Trial (Zeitfahrmeisterschaft von Michigan), ließ ich erstmal für ein paar Wochen die Wettkämpfe weg und versuchte einen guten Trainingsblock einzuschieben. Dazu kam auch mal wieder eine Dienstreise in die Heimat, so daß ich auch ein paar heimatliche Berge befahren konnte.

Erstes Rennen zurück in Michigan war die Kriteriumsmeisterschaft in Milford. Tags zuvor fanden in Grand Rapids die nationalen USA-Meisterschaften im Kriterium statt. Daher waren auch am Sonntag in Milford einige Profis am Start und das Rennen auf dem ohnehin schon schweren Kurs wurde somit noch härter.
Mir fehlte ein wenig die Spritzigkeit nach den überwiegend langen Einheiten der letzten Wochen, aber ich konnte trotzdem problemlos mit dem Feld mithalten. Großartig attackieren war allerdings nicht drin. Ich versuchte es zwar ein paar Mal, aber erfolglos. Bei den hohen Temperaturen brauchte ich auch relativ lange um mich davon zu erholen.
An Schluß war ich für den Zielsprint schon nicht besonders gut platziert und als ich dann noch wegen eines Schlenkers eines Fahrers vor mir bremsen mußte war jede Chance auf eine gute Platzierung dahin. Leider bedeutete das am Ende nur Platz 21, der erste ohne Preisgeld.

 


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