Sven Baumann - Radsport on- und offroad

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West Branch Road Race

Frisch zurück aus der Heimat und mit 3 Tagen Trainingsausfall stoppten wir auf dem Weg nach Norden in West Branch. Zumindest das Straßenrennen wollte ich bestreiten, das Kriterium am Sonntag mußte ich dagegen ausfallen lassen.

Das Wetter präsentierte sich kühl und regnerisch und auf den ersten Kilometern wurde ein gemütliches Tempo angeschlagen, damit auch wirklich alle wieder kalt werden. Nach einigen vergeblichen Attacken folgte ich kurz nach der Hälfte der ersten von 4 Runden einer Attacke von Alexey Vermeulen. Da sein Bissell Team das zahlenmäßig stärkste Team war kontrollierten sie die Verfolger und erlaubten und so einen ordentlichen Vorsprung herauszufahren. Alexey, der immerhin nationaler Meister bei den Junioren ist, drückte ordentlich aufs Tempo und machte das Rennen für mich ziemlich hart. Erst in der letzten Runde glaubte ich wieder an meine Chance auf den Sieg. Auf dem ansteigenden letzten Kilometer wechselten wir uns zunächst mit einigen vorsichtigen Tempoverschärfungen ab, bevor ich die entscheidenden Attacke setzte. Alexey hatte dieser nichts mehr entgegenzusetzen und so überquerte ich nach 88 Meilen (140km) die nichtvorhandene Ziellinie als Erster.

Rückblickend muß ich sagen, daß Alexey zeitweise der Stärkere war. Letztenendes spielte mir der Verlauf des Rennens perfekt in die Hände, denn unser konstantes Tempo an der Spitze kam mir definitiv entgegen. Das Finale mit dem ca. 1 km langen Schlußanstieg und die Tatsache, daß ich meinem Gegner den größeren Anteil an der Führungsarbeit überließ taten ihr Übriges.

 

Frühjahrsrennen 2012

Die ersten Rennen des Frühjahrs liegen nun bereits hinter mir, Zeit für eine erste Zusammenfassung.
Los gings erstmal mit einem neuen Teamrad, ich fahre in diesem Jahr ein Trek Madone 5.5.
Nach dem Wintertraining überwiegend mit dem Mountainbike, merkte ich gleich wie sehr es mir gefehlt hat, immermal wieder von Autofahrern angehupt und angebrüllt zu werden.
Das erste Rennen für mich war eines der Trainingsrennen auf der Rundstrecke in Waterford. Ich versuchte mich an einigen Attacken zu beteiligen, konnte aber mit keiner entscheidend wegkommen. Insbesondere Mike Simonson brachte immer wieder das ganze Feld zusammen. Als Mountainbiker scherte er sich nicht um irgendwelche Taktiken oder Ergebnisse, sondern war hauptsächlich auf eine gute Trainingseinheit aus. Am Ende gab es für mich einen 8. Platz.
Ein paar Wochen später und mit ein paar weiteren harten Trainingseinheiten, insbesondere beim dienstäglichen Derby-Ride ging ich beim vorletzten Rennen der Spring Training Series in Ann Arbor an den Start. Wir wollte zwar hauptsächlich für Randy fahren, der unser Bestplatzierter in der Gesamtwertung war. Mit diesem Gedanken folgte ich auch einer Ausreißergruppe mit Rob Foshag, dem gefährlichsten Mann für die Gesamtwertung. Irgendwann war jedoch klar, daß unsere Gruppe durchkommen würde und wir überrundeten das Hauptfeld schließlich auch. Ich versuchte beim Zusammenschluß die Gegner mit einer sofortigen Attacke zu überraschen, aber ohne Erfolg. Als das Hauptfeld schließlich das Rennen 3 eher als wir von der Spitzengruppe beendeten, attackierte ich erneut und konnte so die Anzahl der verbliebenen Konkurrenten von 6 auf 3 reduzieren. In der letzten Runde zog Rob Foshag gezwungenermaßen den Sprint in den Gegenwind sehr früh an, so daß ich relativ einfach an ihm vorbeiziehen konnte und so meinen ersten Saisonsieg holen konnte.
Eine Woche später stand mit dem Zeitfahren im Willow Creek Park über 13 Meilen das erste Rennen der Michigan Challenge auf dem Programm. Mit nicht gerade optimaler Vorbereitung - Zeitfahraufsatz am Morgen vorm Start auf das Straßenrad geschraubt - legte ich gleich mal zügig los. In der zweiten Runde mußte ich fast dafür büßen, konnte aber danach die Rundenzeiten halbwegs stabilisieren. Aber meine Hochrechnung der Rundenzeiten ließ wenig Hoffnung auf eine gute Endzeit aufkommen und so war ich mit meiner Zeit von knapp unter 29 min. auch nicht gerade zufrieden. Offenbar ließen aber die Bedingungen nicht mehr zu, denn auch alle anderen fuhren langsamere Zeiten als im Vorjahr. So konnte ich mit 13 Sekunden Vorsprung gegenüber der Konkurrenz mit vollem Zeitfahrequipment trotzdem Saisonsieg Nr. 2 verbuchen.
Am nächsten Tag beim Abschlußrennen der Spring Training Series in Ann Arbor wollte ich gerne den dritten Sieg in Folge holen. Aber alle außer meinen Teamkollegen fuhren quasi gegen mich. Trotzdem gelang es mir mit wiederholten Attacken, eine Spitzengruppe zu bilden in der mit Ray Dybowski auch ein weiterer Wolverine vertreten war. Am Ende konnte ich trotz seiner guten Unterstützung nur den 4. Platz belegen. Ein kurzes Zögern beim Antritt zum finalen Spurt kostete die entscheidenden Meter.
Wiederum eine Woche später ging es bei Michigan Version von Paris-Roubaix um weitere Punkte für die Michigan Challenge. Mit der roten Rückennummer des Gesamtführenden war es natürlich nicht einfach, irgendwie davonzukommen. Ich versuchte auf den Schotterabschnitten bzw. den Übergängen dazu meine Offroad-Erfahrung auszunutzen und die Gegner zu attackieren. Damit gelang es mir, zwischenzeitlich eine Verfolgergruppe hinter den beiden Spitzenreitern zu bilden, aber wir wurden eine Runde später von einer weiteren Gruppe eingeholt. So spurteten wir zu zehnt um den letzten Podiumsplatz, wobei ich als Dritter der Verfolgergruppe mit Platz 5 meine Führung in der Gesamtwertung ausbauen konnte.
Pechvogel des Rennens war Ray, den ich vor dem Rennen überredete, seine guten Wettkampf-Laufräder zu nutzen. Leider fuhr er in aussichtsreicher Position liegend zunächst das Vorderrad und später noch das Hinterrad platt. Als Entschädigung für diese Enttäuschung teilte ich wenigstens mein Preisgeld mit ihm.
Da am folgenden Wochenende keine weiteren Rennen stattfanden nahm ich gemeinsam mit Rob Foshag am 6h MTB-Rennen in Stony Creek teil. Trotz unangenehmen Wetters (ich wurde bereits auf dem Weg zum Rennen durchnäßt und eingeschlammt) konnte wir unsere selbstgesteckte Vorgabe von insgesamt 8 Runden erreichen und somit auch das Rennen gewinnen. Leider bei zugegebenermaßen wenig schlagkräftiger Konkurrenz.

 

Wintertraining

Nur noch wenige Wochen, und dann steht auch schon wieder der Start in die Saison 2012 an.
Bedingt durch meinen Umzug in die USA wußte ich nicht was mich im Winter erwarten würde und welche Möglichkeiten zu einer guten Vorbereitung ich haben würde. Aber da der Winter hier in Michigan kein Vergleich zu dem im Vorjahr war konnte ich doch ganz gut die geplanten Umfänge trainieren.
Eine wesentliche Änderung sind natürlich die Straßenverhältnisse. Da ich - besonders im Dunkeln - dem Verkehr auszuweichen versuche, fahre ich viel auf den sogenannten dirt roads. Hier sind viele der Nebenstrecken nicht asphaltiert und haben stattdessen einen sandigen Erdbelag. Das bedeutet, daß das Training fast ausschließlich auf dem Mountainbike stattfindet. Um den Verschleiß am Material gering zu halten ist die Wahl der Locals fürs Wintertraining ein Singlespeed Bike. Als Mitglied des Wolvering Racing Teams nenne ich inzwischen ein Trek Marlin Singlespeed mein eigen.
Als kleine Abwechslung ins Wintertraining kam mir eine Dienstreise nach Arizona sehr gelegen. Dort mußte ich Freitag und Montag arbeiten, hatte aber das Wochenende zur freien Verfügung. Das nutzte ich entsprechend und konnte neben ein wenig Touristen-Programm auch viele Kilometer in der Sonne und mit ordentlichen Bergen abspulen.

Aus der Heimat kam derweil die Nachricht, daß ich für die Wahl zum Sportler des Jahres im Landkreis Hildburghausen aufgestellt bin. Ich hoffe, daß viele Leute ihre Stimme für mich abgeben. Aber unabhängig vom Ergebnis fühle ich mich geehrt, überhaupt für diese Wahl nominiert zu sein.

 

 

Michigan CX State Championship [04.12.2011]

Video von Hans Nyberg

Gestern fand mit dem Crossrennen in Springfield Oaks das letzte Rennen der Tailwind CX Serie statt, zugleich auch Michigan State Championship. Nachdem es unter der Woche geschneit hatte, aber am Wochenende bei wärmeren Temperaturen (8 Grad) wieder geregnet hatte, war der ganze Parcours ein ordentliches Schlammbad.
Am Start waren neben allen üblichen Verdächtigen Crossern auch ein paar neue Gesichter, darunter der Pro-Continental Fahrer Scott Stewart (Team Type 1).
Mein Start war nicht großartig, aber nach der ersten Kurve konnte ich gleich wieder ein paar Plätze gutmachen und nach der ersten schlammigen Abfahrt konnte ich mich bereits auf Platz 3 hinter meinen Teamkollegen Jeff Weinert und Jay Moncel vorarbeiten.
Den damit verbundenen Vorsprung auf den Favoriten Mike Wissink wollte ich nicht so leicht wieder hergeben und so schloß ich zu Jeff auf. Eigentlich wollten wir zusammenarbeiten, aber er konnte mein Tempo nicht ganz mitgehen und Mike kam von hinten heran. So fuhr ich dann in der zweiten Runde erstmal einen Vorsprung von etwa 30 Sekunden heraus, den ich im Laufe des Rennens noch weiter ausbauen konnte.
Es waren wirklich schwierige Bedingungen, aber mit meinem Trek Cronus und den Challenge Limus Reifen konnte ich sie relativ sicher meistern. Zwar schlichen sich in den letzten beiden Runden wieder ein paar Fehler und ein kleiner Sturz ein, aber der Wolverine Doppelsieg geriet dennoch nicht in Gefahr.
Somit durfte ich neben dem Gesamtsieg der Tailwind CX Serie auch den Pokal für den State Champion mit nach Hause nehmen. Der bekommt dann noch meinen Namen drauf, damit ich nicht so leicht in Vergessenheit gerate, selbst wenn ich ihn dann wieder abgeben muß...
An dieser Stelle muß ich nochmal ein fettes Danke loswerden an alle Mitglieder unseres Teams, denn mit dieser großartigen Unterstützung macht es sogar in den widrigsten Bedingungen noch Spaß Crossrennen zu fahren!
Gratulation auch an die anderen Champions Kelly Paterson (Elite Women), Simon Bailey (Masters 35-39), Matt Baroli (Masters 50-54), Richard Rainville (B-Men) und Luke Mullis (Junior Men).

 

Jingle Cross Rock #2 [26.11.2011]

Einen wahrhaft langen Roadtrip nahm das Wolverine CX Team am Thanksgiving Wochenende auf sich um zum Jingle Cross Rock nach Iowa zu reisen. Drei Tage Crossrennen schienen die weite Reise dennoch lohnenswert erscheinen.
Ich wollte an den beiden UCI C2 Rennen am Freitag abend (unter Flutlicht) und am Samstag teilnehmen, das Rennen am Sonntag war zu spät um noch zu halbwegs vernünftigen Zeiten wieder nach Hause zu kommen.
Am Freitag abend ging es mir jedoch überhaupt nicht gut, wahrscheinlich bedingt durch die lange Reise und vielleicht hatte ich auch unterwegs zuwenig getrunken. Also mußte ich das Rennen ausfallen lassen und auch zeitig ins Bett um mich wieder zu erholen.
Am Samstag ging es mir wieder wesentlich besser. Dafür regnete es die meiste Zeit und die Strecke verwandelte sich zunehmend in ein Schlammbad. Das Starterfeld war nicht sehr groß und so war es auch kein großes Problem, daß ich aus der letzten Reihe starten mußte. Mit einen einigermaßen guten Start konnte ich mich in der Nähe der Spitze behaupten und war beim ersten Aufstieg zum Mt. Krumpit sogar vor Brian Matter platziert.
Die erste Abfahrt war mehr ein Versuch herauszufinden, wie weit man fahren kann. Nachdem ich das rausgefunden hatte fuhr ich in den folgenden Runden immer nur bis zur ersten Kehre und lief den Rest. Wobei Laufen auch etwas übertrieben ist, es war mehr ein runterschlittern mit dem Rad in der Hand um das Gleichgewicht zu halten.
Nach einigen Runden hatte sich das Feld weitgehend sortiert und ich bewegte mich zwischen Platz 9 und 11. Nachdem Platz 9 entwischt war durfte ich mir unter Begleitung von Steve Tilford Platz 10 und damit meinen ersten UCI Punkt sichern. Auf der Zielgeraden kam es fast noch zu Stehversuchen, denn Steve wollte als einer der Favoriten für die Masters-WM natürlich keine Punkte holen. Eigentlich war das auch mein Plan, aber nochmal 40 Sekunden auf den nächsten Fahrer zu warten war mir doch zu blöd. Nun darf ich halt nicht bei der Masters-WM in Louisville starten, aber ich werds verkraften...

 


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